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Kapitalanlage

Term Sheet lesen — die zehn Klauseln, die den Unterschied machen

Von Samuel Obermeier·Stand August 2026·Lesezeit 12 Min·Kapitalanlage
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Die zwei Hälften eines Term Sheets

Ein Term Sheet ist kurz, meist zwei bis vier Seiten, und wirkt dadurch harmloser, als es ist. Was darin steht, wird später im Vertrag ausformuliert — verhandelt wird es aber hier. Wer eine Position erst im Vertragsentwurf angreift, verhandelt gegen einen bereits gefundenen Konsens.

Die erste Hälfte ist die, über die gesprochen wird: Betrag, Zins, Laufzeit. Die zweite Hälfte entscheidet, was passiert, wenn es nicht läuft wie geplant — und genau diese Hälfte wird überflogen. Dieser Beitrag geht sie Klausel für Klausel durch, aus Sicht des Kapitalgebers.

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Eins: Rang — nicht das Wort, die Wirkung

Fast jedes Mezzanine-Term-Sheet nennt einen Rang. Entscheidend ist, welcher gemeint ist: der schuldrechtliche Nachrang, der in der Insolvenz über § 39 InsO wirkt 1, oder die Rangstelle einer Grundschuld, die in der Zwangsversteigerung über § 10 ZVG entscheidet 2. Beides kann unabhängig voneinander bestehen — und beides steht selten präzise im Papier.

  • Ist ein qualifizierter Rangrücktritt vorgesehen, und wenn ja, in welcher Formulierung?
  • An welcher Rangstelle soll eine Grundschuld eingetragen werden, und mit welchem Betrag valutieren die vorrangigen Rechte heute?
  • Gibt es eine Stillhaltevereinbarung mit der Senior-Bank, und was darf der Nachrangkapitalgeber darin überhaupt noch?
  • Wer darf zuerst vollstrecken, und ab welchem Ereignis?

Was welcher Rang im Verwertungsfall tatsächlich bedeutet, ist im Beitrag welche Sicherheiten wirklich werthaltig sind durchgerechnet.

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Zwei: Auszahlungsvoraussetzungen

Zwischen Zusage und Auszahlung liegen die Bedingungen. Je länger diese Liste, desto später fließt das Geld — und desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass eine Bedingung nie eintritt. Aus Sicht des Kapitalgebers ist eine kurze Liste ein Risiko, aus Sicht des Entwicklers eine lange Liste ein Zeitproblem. Beide Seiten sollten sie vor Unterschrift durchzählen.

Typische Bedingungen sind Baugenehmigung, Grundbuchvollzug der Sicherheiten, Vorlage der Senior-Finanzierungszusage, Nachweis einer Vorverkaufsquote und die Bestellung der Verwendungskontrolle. Jede davon gehört mit einem Datum versehen, bis zu dem sie vorliegen soll.

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Drei: Mittelverwendung und Kontrolle

Wofür das Geld verwendet werden darf, und wer das prüft. Ohne Verwendungskontrolle ist ein Nachrangdarlehen ein Blankokredit an eine Projektgesellschaft. Mit Kontrolle wird aus einer Zusage ein Verfahren: Auszahlung gegen Rechnungsnachweis, Freigabe durch einen Dritten, Baufortschrittskontrolle.

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Vier: Covenants und Informationsrechte

Covenants sind die Frühwarnung. Ohne sie erfährt ein Kapitalgeber von einer Schieflage, wenn die Zahlung ausbleibt — also zu spät. Üblich sind ein Mindest-Vorverkaufsstand, eine Obergrenze für Baukostenüberschreitungen, ein Verbot weiterer Belastungen ohne Zustimmung und die Pflicht, wesentliche Ereignisse unverzüglich zu melden.

  • Welche Kennzahlen werden gemeldet, in welchem Rhythmus, und in welcher Form?
  • Was gilt als Verstoß, und was folgt daraus — Nachbesserungsfrist, Zinsaufschlag, Kündigungsrecht?
  • Gibt es ein Zutrittsrecht zur Baustelle und ein Einsichtsrecht in die Buchhaltung?
  • Wer trägt die Kosten eines externen Gutachters, wenn Zweifel aufkommen?
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Fünf: Kündigungsrechte

Gesetzlich kann ein Darlehensgeber außerordentlich kündigen, wenn sich die Vermögensverhältnisse des Darlehensnehmers oder die Werthaltigkeit einer Sicherheit wesentlich verschlechtern und dadurch die Rückzahlung gefährdet wird (§ 490 Abs. 1 BGB) 4. Ein qualifizierter Rangrücktritt kann dieses Recht praktisch entwerten — deshalb gehört beides zusammen gelesen.

Im Term Sheet sollte stehen, welche Ereignisse ein Kündigungsrecht auslösen, ob es Heilungsfristen gibt und was bei Kontrollwechsel in der Projektgesellschaft passiert. Ein Gesellschafterwechsel beim Entwickler ändert das Risiko des Kapitalgebers vollständig, ohne dass sich am Projekt etwas ändert.

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Sechs: Laufzeit, Verlängerung und was sie kostet

Projekte dauern länger als geplant — das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Entscheidend ist deshalb nicht die Laufzeit, sondern die Verlängerungsklausel: Gibt es eine Option, zu welchen Konditionen, wer zieht sie, und wie viel kostet sie. Fehlt sie, verhandeln Sie in der schwächsten denkbaren Position, nämlich kurz vor Fälligkeit.

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Sieben: Vorfälligkeit und Mindestlaufzeit

Die Gegenrichtung: Was passiert, wenn das Projekt schneller läuft als gedacht? Viele Strukturen enthalten eine Mindestverzinsung oder eine Vorfälligkeitsentschädigung, die eine frühe Rückzahlung teuer macht. Für den Kapitalgeber ist das Renditeschutz, für den Entwickler eine Kostenfalle bei erfolgreichem Abverkauf. Beide Seiten sollten die Zahl kennen, bevor sie unterschreiben.

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Acht: Exit-Beteiligung und Equity Kicker

Eine Beteiligung am Projektüberschuss klingt einfach und ist es nie. Die Fragen dahinter: Bezogen auf welchen Überschuss — vor oder nach welchen Kosten? Wie wird er ermittelt, und von wem? Was gilt, wenn das Projekt teilweise verkauft und teilweise gehalten wird? Und wann wird gezahlt — bei Verkauf oder bei Fertigstellung?

Wie stark der Kicker die Gesamtkosten hebt, ist im Beitrag was Mezzanine-Kapital wirklich kostet durchgerechnet: Aus nominal zwölf Prozent werden dort rund 16,8 Prozent im Jahr.

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Neun: Exklusivität und Kostentragung

Viele Term Sheets enthalten eine Exklusivitätsfrist: Der Entwickler darf während der Prüfung nicht parallel verhandeln. Das ist üblich und legitim — aber nur gegen eine Gegenleistung, nämlich eine feste Frist und einen verbindlichen Zeitplan. Eine Exklusivität ohne Enddatum ist eine einseitige Bindung.

Dazu gehört die Kostentragung: Wer zahlt Gutachten, Rechtsberatung und Bewertung, wenn die Finanzierung am Ende nicht zustande kommt? Diese Klausel entscheidet, wie teuer ein Scheitern wird — und sie steht oft im Kleingedruckten.

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Zehn: Was am Term Sheet überhaupt bindet

Der wichtigste Satz steht meist ganz unten: welche Teile verbindlich sind und welche nicht. Üblich ist, dass die wirtschaftlichen Eckdaten unverbindlich bleiben, während Exklusivität, Vertraulichkeit und Kostentragung binden. Wer diesen Absatz nicht liest, glaubt eine Finanzierung zu haben und hat eine Bindung.

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Die zehn Klauseln im Überblick

KlauselWorauf es ankommtTypische Schwäche
Rangvertraglicher und grundbuchlicher Rang getrennt benanntnur das Wort Nachrang, ohne Rangstelle und Valutastand
Auszahlungsvoraussetzungenvollständige Liste mit Fristenoffene Aufzählung ohne Enddatum
Mittelverwendungbenannter Freigebender und Nachweispflichtbloße Zweckbindung ohne Kontrolle
Covenantsmessbare Kennzahlen und Meldepflichtenweiche Formulierungen ohne Rechtsfolge
KündigungsrechteAuslöser, Heilungsfristen, KontrollwechselRangrücktritt entwertet § 490 BGB faktisch
Laufzeit und VerlängerungOption mit vorab fixiertem Preiskeine Option, Nachverhandlung unter Zeitdruck
Vorfälligkeitbezifferte Mindestverzinsungübersehen, bis der Abverkauf schneller läuft
Exit-BeteiligungBemessungsgrundlage und Ermittlung geregeltProzentsatz ohne definierte Grundlage
Exklusivität und Kostenfeste Frist, klare Kostentragung bei Scheiternunbefristete Bindung, Kosten beim Entwickler
Verbindlichkeitausdrückliche Trennung bindend/unverbindlichwird als Zusage missverstanden
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Die Prüfliste vor der Unterschrift

  1. Welcher Rang ist gemeint — schuldrechtlich, grundbuchlich oder beides?
  2. Mit welchem Betrag valutieren die vorrangigen Rechte heute?
  3. Wie viele Auszahlungsvoraussetzungen gibt es, und hat jede ein Datum?
  4. Wer gibt Mittel frei, und gegen welchen Nachweis?
  5. Welche Kennzahl wird wann gemeldet, und was folgt aus einem Verstoß?
  6. Welche Ereignisse lösen ein Kündigungsrecht aus, und gibt es Heilungsfristen?
  7. Was passiert bei einem Gesellschafterwechsel in der Projektgesellschaft?
  8. Gibt es eine Verlängerungsoption, und ist ihr Preis heute schon festgelegt?
  9. Was kostet eine vorzeitige Rückzahlung?
  10. Auf welche Bemessungsgrundlage bezieht sich die Exit-Beteiligung, und wer rechnet sie aus?
  11. Wie lange gilt die Exklusivität, und wer trägt die Kosten bei Scheitern?
  12. Welche Absätze sind ausdrücklich verbindlich?
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Die eine Frage, die alles sortiert

Lesen Sie das Term Sheet ein zweites Mal und stellen Sie bei jeder Klausel nur eine Frage: Was passiert hier, wenn das Projekt sechs Monate länger dauert und zehn Prozent teurer wird? Klauseln, die in diesem Fall nichts regeln, sind die, die Sie verhandeln müssen. Alles andere ist Preisdiskussion.

Häufige Fragen

Quellen

  1. [1]§ 39 InsO — Nachrangige Insolvenzforderungen https://www.gesetze-im-internet.de/inso/__39.html
  2. [2]§ 10 ZVG — Rangklassen bei der Verteilung des Versteigerungserlöses https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__10.html
  3. [3]§ 488 BGB — Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__488.html
  4. [4]§ 490 BGB — Außerordentliches Kündigungsrecht https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__490.html
  5. [5]§ 1191 BGB — Gesetzlicher Inhalt der Grundschuld https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1191.html
  6. [6]§ 32 KWG — Erlaubnispflicht für Bankgeschäfte https://www.gesetze-im-internet.de/kredwg/__32.html
  7. [7]§ 311b BGB — Verträge über Grundstücke, notarielle Beurkundung https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__311b.html
SO
Samuel ObermeierObermeier Capital · München

Liest Term Sheets von beiden Seiten des Tisches und sourct für Family Offices und Fonds nach schriftlichem Ankaufsprofil.

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