Private Debt und Steuern — wie Zinsen aus Mezzanine und Nachrangdarlehen besteuert werden (2026)
Zuerst das Wichtigste — die Rendite auf dem Papier ist nicht Ihre Rendite
In Unterlagen zu Mezzanine-Tranchen und Nachrangdarlehen steht ein Zinssatz. Was dort nicht steht: Er ist brutto. Zinsen aus Darlehen, partiarischen Darlehen und Genussrechten gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 20 EStG 1 und unterliegen im Privatvermögen dem gesonderten Steuersatz von 25 Prozent nach § 32d EStG 2.
Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent — nicht auf den Ertrag, sondern auf die Steuer. Aus 25 Prozent werden dadurch 26,375 Prozent 8. Wer kirchensteuerpflichtig ist, liegt je nach Bundesland noch einmal rund zwei Prozentpunkte höher.
Welche Struktur welche Einkunftsart auslöst
Mezzanine ist ein Sammelbegriff. Was steuerlich passiert, hängt an der konkreten Vertragsform — und die steht im Zeichnungsdokument, nicht im Pitchdeck. Partiarische Darlehen, Genussrechte und die typische stille Gesellschaft zählen zu den hybriden Instrumenten zwischen Eigen- und Fremdkapital 10.
| Struktur | Einkunftsart | Steuerabzug an der Quelle | Praxisfolge |
|---|---|---|---|
| Direktes Nachrangdarlehen an Projektgesellschaft | Paragraf 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG | in der Regel nein | Sie erklaeren selbst in Anlage KAP |
| Partiarisches Darlehen (gewinnabhaengig) | Paragraf 20 Abs. 1 Nr. 4 EStG | ja, Schuldner behaelt ein | Steuerbescheinigung anfordern |
| Genussrecht | je nach Ausgestaltung Nr. 1 oder Nr. 7 | abhaengig von der Ausgestaltung | Einstufung vorab klaeren lassen |
| Anleihe ueber Depotbank | Paragraf 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG | ja, Bank behaelt ein | Freistellungsauftrag wirkt |
| Spezial-AIF-Anteil | Investmentsteuergesetz | ueber die Verwahrstelle | eigene Systematik, gesondert pruefen |
Der Unterschied zwischen Zeile eins und Zeile zwei ist der, der in der Praxis am häufigsten übersehen wird — und der Grund für die meisten Nachzahlungen. Welche Struktur wofür steht, ordnet der Beitrag Nachrangdarlehen verstehen ein.
Wer die Steuer abführt — und wann Sie selbst erklären müssen
Bei Wertpapieren im Depot erledigt die Bank alles: Sie behält Kapitalertragsteuer ein, berücksichtigt den Freistellungsauftrag und führt ab. Genau diese Bequemlichkeit gibt es beim Direktdarlehen nicht. Private Darlehensnehmer sind nicht verpflichtet, Kapitalertragsteuer an der Quelle einzubehalten — der Darlehensgeber muss die vereinnahmten Zinsen selbst in der Einkommensteuererklärung angeben und in der Anlage KAP eintragen 4.
- Zinserträge sammeln. Jede Zinszahlung des Jahres, auch Teilzahlungen und Vorfälligkeitsentschädigungen.
- In der Anlage KAP als Ertrag ohne Steuerabzug eintragen. Diese Zeile ist der Grund, warum die Anlage KAP trotz Abgeltungsteuer weiterhin abzugeben ist.
- Günstigerprüfung erwägen. Der Antrag nach § 32d Absatz 6 EStG steht in Zeile 4 der Anlage KAP und führt zur tariflichen Besteuerung, wenn diese günstiger ist 9.
- Steuerbescheinigungen anfordern, wo einbehalten wurde — ohne Bescheinigung wird die einbehaltene Steuer nicht angerechnet.
Wann der Zins als zugeflossen gilt — die Falle bei endfälligen Strukturen
Viele Mezzanine-Strukturen zahlen während der Laufzeit nichts und den gesamten Zins am Ende. Besteuert wird nach dem Zuflussprinzip des § 11 EStG: Einnahmen sind in dem Kalenderjahr bezogen, in dem der Steuerpflichtige wirtschaftlich über sie verfügen kann 3.
Das rein buchmäßige Festhalten eines Zinsanspruchs führt für sich genommen noch nicht zum Zufluss — entscheidend ist, ob der Gläubiger tatsächlich über den Betrag verfügen kann 3. Praktisch bedeutet das: Bei einer endfälligen Struktur schlägt die Steuerlast mehrerer Jahre in einem einzigen Veranlagungsjahr auf. Wer im selben Jahr die Günstigerprüfung beantragt, hat dann einen entsprechend hohen Grenzsteuersatz — der Antrag lohnt sich in diesem Jahr also gerade nicht.
- Liquidität einplanen. Der Steuerbetrag wird fällig, wenn der Zins zufließt — nicht, wenn er entsteht.
- Vorauszahlungen im Blick behalten. Ein Jahr mit hohem Zufluss zieht Einkommensteuer-Vorauszahlungen für das Folgejahr nach sich, obwohl dort nichts mehr fließt.
- Nachteil ehrlich: Endfällige Strukturen sind für den Kapitalnehmer angenehm und für Ihre Steuerplanung unangenehm — das ist ein realer Preis, kein Detail.
Werbungskosten: der Abzug, den es nicht gibt
Wer Aufwand hat — Rechtsberatung zum Zeichnungsvertrag, Reisekosten zur Objektbesichtigung, Kosten für eine externe Prüfung — rechnet gern damit, ihn abziehen zu können. Im Bereich der Abgeltungsteuer geht das nicht: Der tatsächliche Werbungskostenabzug ist ausgeschlossen, abgegolten ist alles pauschal mit dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro 8.
Der praktische Effekt ist unangenehm konkret: Eine ernsthafte Vorprüfung der Struktur kostet Geld, und dieses Geld mindert Ihre Steuerlast nicht. Das ist kein Argument gegen die Prüfung — es ist ein Argument dafür, sie einmal ordentlich zu machen statt dreimal halb. Was in eine solche Prüfung gehört, steht in der Due-Diligence-Checkliste.
Was seit dem Jahressteuergesetz 2024 beim Ausfall gilt
Hier hat sich die Lage spürbar zugunsten der Anleger geändert. Seit 2020 war die Verrechnung von Verlusten aus der ganzen oder teilweisen Uneinbringlichkeit einer Kapitalforderung auf 20.000 Euro im Jahr begrenzt (§ 20 Absatz 6 Sätze 5 und 6 EStG) 6. Wer 200.000 Euro verlor, konnte davon jährlich nur einen Bruchteil gegenrechnen.
Das Jahressteuergesetz 2024 hat diese Sätze ersatzlos gestrichen. Verluste aus Forderungsausfällen und aus Termingeschäften können wieder unbegrenzt mit Erträgen aus Kapitalvermögen verrechnet werden; die Regelung gilt rückwirkend und für alle offenen Fälle 67.
Die ehrliche Rechnung — aus zehn Prozent werden siebeneinhalb
Die Annahmen stehen offen dabei: ein Mindestticket von 200.000 Euro, zehn Prozent Nominalzins, Privatvermögen, keine Kirchensteuer, Sparer-Pauschbetrag noch nicht anderweitig verbraucht.
Zweieinhalb Prozentpunkte sind kein Rundungsfehler. Sie sind größer als die Spanne, um die in Verhandlungen über den Kupon üblicherweise gerungen wird — und sie verschieben den Vergleich zu anderen Anlagen vollständig, sobald diese anders besteuert werden. Warum die Bruttorendite bei Nachrangkapital ohnehin nicht die entscheidende Kennzahl ist, zeigt der Beitrag Warum zwölf Prozent kein freies Geld sind.
Privatvermögen oder Gesellschaft — warum die Frage älter ist als die Anlage
In einer Kapitalgesellschaft unterliegen Zinserträge der Körperschaftsteuer von 15 Prozent zuzüglich Solidaritätszuschlag und der Gewerbesteuer; die Gesamtbelastung liegt üblicherweise bei rund 30 Prozent 11. Auf den ersten Blick ist das mehr als die 26,375 Prozent im Privatvermögen.
- Der Vergleich hinkt, solange thesauriert wird. Was in der Gesellschaft bleibt und dort weiterinvestiert wird, ist einmal belastet; die zweite Ebene fällt erst bei der Ausschüttung an.
- Wer entnimmt, zahlt zweimal. Rechnen Sie die Ausschüttung mit, wenn das Geld privat gebraucht wird — sonst vergleichen Sie zwei verschiedene Dinge.
- Nachteil ehrlich: Eine Gesellschaft kostet laufend Buchhaltung, Abschluss und Beratung. Bei einem einzelnen Ticket steht dieser Aufwand in keinem Verhältnis.
- Die Struktur gehört vor die Anlage. Nachträglich lässt sich eine Beteiligung selten sauber verschieben.
Welche Variante passt, ist keine Frage des Produkts, sondern des Gesamtbilds — und gehört zu Ihrem Steuerberater, nicht in ein Zeichnungsgespräch.
Die Prüfliste vor der Zeichnung
- Vertragsform schriftlich klären. Nachrangdarlehen, partiarisches Darlehen, Genussrecht oder Fondsanteil — das entscheidet über Einkunftsart und Steuerabzug.
- Fragen, wer einbehält. Wenn niemand einbehält, sind Sie in der Erklärungspflicht — und sollten die Steuer sofort zurücklegen.
- Zinszahlungsprofil ansehen. Laufend oder endfällig ändert nichts an der Steuerhöhe, aber alles am Zeitpunkt.
- Nettorendite rechnen, nicht Bruttokupon vergleichen. Erst nach Steuern sind zwei Angebote vergleichbar.
- Ausfallszenario mitdenken. Verrechnet wird nur innerhalb der Kapitaleinkünfte — das setzt voraus, dass es dort etwas zu verrechnen gibt.
- Steuerberater vor der Unterschrift einbinden, nicht nach dem ersten Zinszufluss.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht: Welcher Kupon ist der höchste? Sondern: Was bleibt nach Steuern, nach Ausfallrisiko und nach Aufwand — und passt das noch zu dem, wofür ich das Kapital eigentlich einsetze?
Häufige Fragen
Quellen
- [1]§ 20 EStG — Einkünfte aus Kapitalvermögen (Gesetze im Internet) https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__20.html
- [2]§ 32d EStG — Gesonderter Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__32d.html
- [3]§ 11 EStG — Vereinnahmung und Verausgabung (Zuflussprinzip) https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__11.html
- [4]Steuerrat24 — Kreditvergabe: Wie Zinsen aus Privatdarlehen zu versteuern sind https://www.steuerrat24.de/steuerratgeber/kapitalertraege/abgeltungsteuer/3149-kreditvergabe-wie-zinsen-aus-privatdarlehen-zu-versteuern-sind.html
- [5]Kanzlei Dr. Schenk — Steuerfalle Nachrangdarlehen beim Crowdinvesting https://www.kanzleidrschenk.de/steuerfalle-nachrangdarlehen-crowdinvesting
- [6]Haufe — Jahressteuergesetz 2024: Verlustverrechnungskreis (§ 20 Abs. 6 Sätze 5 und 6 EStG) https://www.haufe.de/id/beitrag/jahressteuergesetz-jstg-2024-114-verlustverrechnungskreis-bei-termingeschaeften-20-abs-6-saetze-5-und-6-estg-neu-gegenueber-regierungsentwurf-HI16643681.html
- [7]Bund der Steuerzahler — Verlustverrechnungsbeschränkungen bei Kapitalvermögen abgeschafft https://www.steuerzahler.de/bayern/newsticker-archiv/newsticker/news/einkuenfte-aus-kapitalvermoegen-bestimmte-verlustverrechnungsbeschraenkungen-abgeschafft/
- [8]VLH — Sparer-Pauschbetrag: Kapitalerträge bis zu einer bestimmten Grenze steuerfrei https://www.vlh.de/kaufen-investieren/abgeltungssteuer/sparer-pauschbetrag-kapitalertraege-sind-bis-zu-einer-bestimmten-grenze-steuerfrei.html
- [9]Haufe — Günstigerprüfung nach § 32d Abs. 6 EStG (Anlage KAP, Zeile 4) https://www.haufe.de/id/beitrag/private-kapitaleinkuenfte-in-der-anlagekap38-kap-bet-fuer-b-guenstigerpruefung-nach-32d-abs6-estg-lt-zeile4-HI17135295.html
- [10]Haufe — Partiarisches Darlehen: Einordnung als hybrides Finanzinstrument https://www.haufe.de/id/beitrag/partiarisches-darlehen-abc-intstr-HI15006718.html
- [11]DIY Investor — Vermögensverwaltende GmbH: Körperschaft- und Gewerbesteuer im Überblick https://diyinvestor.de/vermoegensverwaltende-gmbh-teil-ii-uebersicht-ueber-koerperschaftssteuer-und-gewerbesteuer/
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