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Kapitalanlage

Club Deal Immobilien: Wie Vermögende gemeinsam mit Institutionellen investieren (2026)

Von Samuel Obermeier·Stand 2026·Lesezeit 12 Min·Kapitalanlage
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Was ist ein Immobilien-Club-Deal?

Ein Club Deal bündelt das Eigenkapital weniger Investoren, um gemeinsam eine einzelne Immobilie oder ein konkretes Projekt zu erwerben — typischerweise strukturiert über eine eigene Objektgesellschaft, häufig eine GmbH & Co. KG. Ein Initiator (oft ein Family Office, ein Projektentwickler oder ein Kapitalvermittler) arrangiert den Deal, das rechtliche Konstrukt und die laufende Steuerung; die übrigen Investoren halten Mitsprache- und Kontrollrechte, oft über eine Beiratsfunktion.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Vehikeln: Beim Club Deal steht das Objekt vorher fest (kein Blind Pool), der Kreis ist klein und überschaubar, und die strengen Vorgaben des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) greifen je nach Struktur nur eingeschränkt — das senkt Bürokratie und Kosten gegenüber einem Publikumsfonds, verlagert die Verantwortung aber stärker auf den Investor selbst.

Warum Club Deals gerade 2026 boomen

Zwei Bewegungen treffen sich. Erstens ziehen sich Banken aus der Projektfinanzierung zurück und verlangen 30–40 % Eigenkapital — Entwickler brauchen privates Eigenkapital. Zweitens wollen Family Offices Direktzugang statt anonymer Fonds: Laut Kingstone Family Office Real Estate Report 2025 halten Family Offices im DACH-Raum 56,5 % ihres Vermögens in Immobilien, davon 81,4 % als Direktinvestment 1. Der Club Deal ist die Brücke zwischen beidem.

40,6 %
der befragten Family Offices nutzen Club Deals, 59,4 % Joint Ventures. Bereits 2021 war laut PwC „jede dritte Aktion eines Family Office ein Club Deal“ 4.
Kingstone Family Office Real Estate Report 2025 (32 Family Offices, DACH, Aug.–Sep. 2025) [1]
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Gemeinsam mit Institutionellen — wie das in der Praxis funktioniert

Das zentrale Versprechen vieler Club Deals: Der Privatinvestor steigt in dieselbe Transaktion ein wie ein institutioneller Partner — gleiches Objekt, gleiches Chancen-Risiko-Profil. Das kann echten Mehrwert bedeuten: Man profitiert von der Due Diligence und der Verhandlungsmacht des institutionellen Investors. Entscheidend ist aber die Frage, auf welcher Ebene man mitinvestiert.

Pari passu oder nachrangig — sitzen Sie wirklich im selben Boot?

„Gemeinsam mit Institutionellen“ heißt nicht automatisch gleichrangig. Prüfen Sie, ob Sie als echter Eigenkapital-Mitgesellschafter (pari passu) beteiligt sind — oder nur über ein Nachrangdarlehen, das im Verlustfall nach allen anderen bedient wird. Das ist der wichtigste einzelne Unterschied für Ihr Risiko (mehr dazu unter „Die ehrlichen Risiken“).

Welche Mitsprache Sie real haben

In der üblichen Struktur hält der Initiator die Stimmenmehrheit und die operativen Entscheidungsbefugnisse, während die Mitinvestoren über einen Beirat Informations- und Vetorechte bei Grundsatzfragen ausüben. Mitsprache ja — aber in definierten Grenzen. Lesen Sie den Gesellschaftsvertrag genau: Wer entscheidet über Verkauf, Refinanzierung, Nachschüsse?

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Mindestbeteiligung, Laufzeit und Rendite

Mindesttickets realistisch eingeordnet

  • Stärker gestreute Club Deals: ab ~50.000 € (oft max. 20 Anleger) 2
  • Klassische Club Deals: Investoren ab ~250.000 €, Objekte 1–20 Mio. € 2
  • Echte Projektentwicklungs-Club-Deals: meist erst ab 5–10 Mio. € Eigenkapital sinnvoll, ~3–6 Investoren 2
  • Family-Office-Tickets: typisch 2–10 Mio. € pro Investment 4

Der semiprofessionelle Anleger — die 200.000-€-Schwelle

Wer mindestens 200.000 € investiert und Kenntnis sowie Risikobewusstsein schriftlich bestätigt, gilt nach KAGB als „semiprofessioneller Anleger“ 5. Das ist relevant, weil der sauberste regulatorische Club-Deal-Mantel — der geschlossene Spezial-AIF — nur an professionelle und semiprofessionelle Anleger vertrieben werden darf, nicht an Privatanleger 6.

Realistische Rendite

Family Offices erwarten laut Kingstone-Report 2025 überwiegend Ausschüttungen von 3–6 % p.a., ein Viertel der Befragten über 6 % p.a. 1. Bei Value-Add- oder Projektentwicklungs-Club-Deals sind höhere Eigenkapitalrenditen bis in den zweistelligen Bereich möglich — gegen entsprechend höheres Risiko 3. Die Verteilung läuft meist über einen Equity Waterfall: Investoren erhalten zuerst einen Vorzugszins (Preferred Return), der Initiator verdient über den „Promote“ erst oberhalb einer vereinbarten Ziel-IRR 4. Das richtet die Interessen aus — sofern die Hürde fair gesetzt ist.

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Die ehrlichen Risiken eines Club Deals

Hier schweigen die meisten Anbieterseiten. Klartext:

  • Totalverlust. Ein Club Deal ist eine unternehmerische Beteiligung ohne Einlagensicherung. Geht das Projekt schief, kann das eingesetzte Kapital ganz verloren sein.
  • Grundbuch vs. Nachrang — der entscheidende Punkt. Sind Sie Eigenkapital-Gesellschafter mit Anteil am Objekt, oder geben Sie nur ein Nachrangdarlehen? Nachrang-Geber haben „weder Eigentum noch Einfluss oder Kontrolle“ und typischerweise keine Grundbucheintragung 8. Fragen Sie explizit danach.
  • Klumpenrisiko. Ein Deal = ein Objekt. Keine Streuung innerhalb des Investments; Diversifikation entsteht nur über mehrere Club Deals.
  • Illiquidität. Kein Zweitmarkt — Kapital ist über die Laufzeit (oft 2–5 Jahre, bei Core länger) gebunden.
  • Abhängigkeit vom Initiator & Interessenkonflikte. Der Arrangeur steuert und ist oft zugleich Vermittler und Promote-Empfänger. Seine Qualität und Integrität entscheiden über Ihren Erfolg.
  • Regulatorische Grauzone. Manche Club Deals werden bewusst so aufgesetzt, dass die KAGB-Regulierung nicht greift 8. Das kann legitim und schlank sein — oder ein Warnsignal. Der Unterschied liegt in der Seriosität des Anbieters.
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Initiator-Due-Diligence: Woran Sie einen seriösen Anbieter erkennen

Bevor Sie zeichnen — diese Prüfpunkte:

  1. Track Record, echt belegt. Realisierte, abgeschlossene Deals mit Exit — keine geliehenen Referenzen, keine reinen Renderings.
  2. Skin in the Game. Investiert der Initiator nennenswert eigenes Kapital mit?
  3. Saubere Erlaubnis. Je nach Konstrukt braucht der Vermittler eine Erlaubnis nach § 34f GewO (für Nachrang-/partiarische Darlehen) oder eine weitergehende KWG-/KVG-Registrierung. Eine Verwaltung ohne erforderliche Erlaubnis ist strafbewehrt (§ 339 KAGB, § 54 KWG) 79. Fragen Sie nach.
  4. Transparente Fee- und Waterfall-Struktur. Ab welcher IRR verdient der Initiator? Welche laufenden Kosten fallen an?
  5. Grundbuch-Position geklärt. Eigenkapital-Anteil oder Nachrangdarlehen?
  6. Mittelverwendungskontrolle durch eine unabhängige Stelle.
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Club Deal vs. Immobilienfonds vs. Crowdinvesting

MerkmalClub DealImmobilienfondsCrowdinvesting
Investorenkreiswenige (3–6), ausgewähltviele, anonymsehr viele Kleinanleger
Objektsteht fest (kein Blind Pool)Portfolio, oft Blind Pooleinzelnes Projekt
Mitspracheja (Beirat/Gesellschafter)nein (passiv)nein
Typische Beteiligungab 50.000–200.000 €+ab ~5.000–10.000 €ab ~250–500 €
Rechtsstellungmeist EK-GesellschafterFondsanteilmeist Nachrangdarlehen
Regulierung KAGBeingeschränktvoll reguliertgedeckelt (10.000 €/Anleger)
Kostenniedriger als Publikumsfondshöher (Fees)variabel
Liquiditätgering (kein Zweitmarkt)offen höher / geschl. geringgering
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Besteuerung von Club Deals (Überblick)

Die steuerliche Behandlung hängt stark von der Struktur ab und ist von den meisten Anbietern unterbelichtet. Zwei Kernfragen: Ist die Beteiligung vermögensverwaltend oder gewerblich (Stichwort gewerbliche Prägung/Infektion)? Und greift bei Veräußerung die Zehn-Jahres-Frist für private Veräußerungsgeschäfte? Je nach Antwort unterscheiden sich Steuersatz und Haltedauer erheblich. Dieser Abschnitt ersetzt keine Steuerberatung — lassen Sie die konkrete Struktur vor Zeichnung steuerlich prüfen.

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Off-Market-Zugang — wie Sie an echte Club Deals kommen

Die attraktivsten Club Deals werden nie öffentlich beworben. Zugang läuft über Family-Office-Netzwerke, Privatbanken und spezialisierte Kapitalvermittler, die geprüfte Deals an einen festen Investorenkreis weiterreichen. Der Wert eines Vermittlers liegt nicht in der Reichweite, sondern in der Vorauswahl: weniger, aber geprüfte Deals — und der kurze Draht zu Entwicklern mit echtem Track Record.

Häufige Fragen

Quellen

  1. [1]KINGSTONE Real Estate — Family Office Real Estate Report 2025 https://www.kingstone-re.com/kingstone-family-office-real-estate-report-2025-immobilien-bilden-mit-einer-quote-von-rd-56-prozent-das-rueckgrat-bei-der-vermoegensallokation/
  2. [2]kapitalmarktrecht.online — Club Deals im Lichte des Aufsichtsrechts (2019) https://www.kapitalmarktrecht.online/2019/11/12/club-deals-im-lichte-des-aufsichtsrechts/
  3. [3]Hörtkorn Finanzen — Investment-Wiki „Club Deal“ https://www.hoertkorn-finanzen.de/investment-wiki/club-deal/
  4. [4]private-banking-magazin — Jede dritte Aktion eines Family Office ist ein Club Deal (PwC 2021) https://www.private-banking-magazin.de/jede-dritte-aktion-eines-family-office-ist-ein-club-deal/
  5. [5]Patrizia GrundInvest — Semiprofessionelle Investoren / 200.000-€-Schwelle https://www.patrizia-immobilienfonds.de/investorengruppen/semi-professionelle-investoren/
  6. [6]Euramco — Spezial-AIF (Glossar) https://www.euramco-asset.de/glossar/spezial-aif/
  7. [7]§ 1 KAGB — Begriffsbestimmungen / Investmentvermögen https://www.gesetze-im-internet.de/kagb/__1.html
  8. [8]immo.rheinpfalz.de — Club Deal: Rendite zu hohem Risiko (Grundbuch/Nachrang) https://immo.rheinpfalz.de/ratgeber/club-deal-immobilien
  9. [9]IHK Nordwestfalen — Erlaubnis § 34f GewO / Abgrenzung KWG https://www.ihk.de/nordwestfalen/branchen/versicherungs-und-finanzwirtschaft/finanzanlagenvermittler/informationen-zur-erlaubnis-34f-gewo-3621832
SO
Samuel ObermeierObermeier Capital · München

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